Mein Freund "PARKI" 

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Manchmal kommt der Herbst,
bevor man überhaupt die Möglichkeit hat,
die Wärme des Sommers so richtig zu genießen.

 

Ich erzähle dir im folgenden eine Geschichte,
die zwar mit "Sommer" oder "Herbst"
überhaupt nichts zu tun hat,
aber am Ende meiner Schilderung
wirst du den Zusammenhang sehr wohl erkennen.

 

Jeder Mensch braucht Freunde. Leute, die mit einem durch dick und dünn gehen. Die für dich da sind, wenn es dir schlecht geht, wenn du jemanden brauchst, dem du dich mitteilen kannst, wenn du dein Herz auschütten möchtest, oder einfach nur dazu, bestimmte Dinge im Leben nicht alleine machen zu müssen. Solche Freunde muss man sich meistens suchen. Manchmal aber wachsen Freundschaften erst im Laufe der Zeit. Dabei kann es vorkommen, daß gerade solche Menschen sich als wahre Freunde erweisen, bei denen man nie damit gerechnet hat, daß sie einem irgendwann so viel bedeuten könnten.

 

Zuweilen kommt es aber auch vor, daß sich Welche in unser Leben schleichen, denen man am liebsten nie im Leben gegegnet wäre. Solche, die sich als Freunde ausgeben, ohne dabei auch nur im Geringsten auf deiner Seite zu stehen, sich gar um dein Wohlergehen kümmern. Das sind dann die Freundschaften, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.

Von einer solchen Freundschaft will ich dir erzählen:

 

Vermutlich hat ER sich schon vor Jahren bei mir eingeschlichen. Ohne, daß es mir bewusst war, hat ER sich mich gekauft, sich in mir "breit gemacht", (wobei ich IHM nicht mal unterstellen möchte, daß ER dafür verantwortlich ist, daß ich so "breit" bin). ER hat nicht gefragt, ob ich IHN haben will, ob ich damit einverstanden bin, daß ER mich benutzt, SEINE Gemeinheiten und Bosheiten an mir auszuprobieren. Es ist IHM egal, wie ich meinen Alltag meistere, ob ER mich dabei stört oder behindert. ER bremst mich aus, hält mich zurück, legt mir Prügel vor die Füße... ER ergreift immer mehr Besitz von mir, ohne daß ich auch nur die geringste Chance habe, IHN ausser Gefecht zu setzen. ER verstand es aber bis jetzt, sich soweit im Hintergrund zu halten, daß selbst so manches geschulte Auge SEINER nicht fündig wurde. ER fühlte sich in meinem Körper scheinbar sehr wohl, zeigte sich mir immer wieder, ohne mir, oder sonst jemandem  SEINE wahre Identität begreiflich zu machen. Er hat mich jahrelang geärgert, mich eingeschränkt, mir weh getan. Ja, richtig weh! Manchmal hatte ich Tage- oder auch wochenlang Schmerzen, für die es keine Heilung gab. Linderungen waren manchmal drin, aber eben keine dauerhafte Besserung der Beschwerden, die ER mir zugefügt hat. Manchmal ließ ER mich zwischendurch wieder für einige Wochen in Ruhe, aber oft auch nur für wenige Tage, bis SEINE Trietzereien wieder von vorne los gingen. Daß ER so lange bei mir sein konnte, ohne entdeckt zu werden, hat IHN immer dreister werden lassen, bis es IHM plötzlich nicht mehr gelingen konnte, unsichtbar zu bleiben. Es war aber auch hammerhart, was ER sich immer wieder geleistet hat. Ich will gar nicht näher darauf eingehen.

Du fragst dich jetzt sicher, wieso ich mir das gefallen lasse. wieso ich, eine doch schon sehr erwachsene Frau "in den besten Jahren" IHN nicht einfach vor die Tür setze. Wieso ich IHN relativ ruhig und klaglos dulde. Warum ich nicht die Polizei einschalte, oder versuche, IHN sonst irgendwie los zu werden. Aber so einfach ist das alles leider nicht. ER lässt sich nicht einfach abschütteln wie ein lästiges Insekt. (welch Ironie dieses Wort "abschütteln" doch in sich birgt - das ist der blanke Hohn!!!) Du willst wissen, wieso ich mich mit IHM angefreundet habe? Dabei muss ich erst überlegen, ob ich das wirklich getan habe - mich mit IHM angefreundet. Aber wer hat nicht lieber einen Freund mehr, als einen Feind??? Ja, ich denke, ich akzeptiere IHN als Freund - denn ich habe mich in SEINE Forderung, IHN als Freund zu respektieren, gefügt. Was hätte ich auch sonst für eine Wahl? Keine!!! ER gehört zu mir, ob es mir passt oder nicht. Da hilft auch keine Polizei. Die schon gar nicht! Bei allem Respekt den "grünen Beamten" gegenüber. Aber für mich können sie mit ihren Methoden wirklich nichts bewirken.


Was mich aber sehr ärgert, das ist die Tatsache, daß ER auch noch Dankbarkeit von mir fordert! Manchmal redet ER sogar mit mir. Ich mag nicht hören, was ER sagt, aber ER äussert sich in einer Art und Weise, die einfach nicht zu überhören ist. Seine Botschaften haben sich schon zu sehr in mein Gehirn eingegraben um sie einfach verdrängen zu können. Jedes Wort von IHM kommt rechthaberisch und drohend, aber auch zynisch und höhnisch bei mir an.


Ich erzähle dir etwas von dem, was ich von ihm zu hören bekomme:

 

" Hey hey Süße! Nun mach aber mal halblang!!! Du weißt, daß ich das nicht leiden kann, wenn du immer so gestresst bist!  Und überhaupt - wer erlaubt dir, mich einfach zu ignorieren??? Du denkst wohl, du bist stärker als ich. Aber da täuschst du dich gewaltig! ICH habe den längeren Arm von uns beiden und den längeren Atem noch dazu! Das, was du dir da zurechtspinnst, wird nicht funktionieren! Denn ich werde mir dir machen, was meine Aufgabe ist! Quälen werde ich dich! Du wirst dich mich nicht mehr lange verleugnen können, das sage ich dir schon jetzt! Jeder wird erfahren, was mit dir los ist! Und wenn du glaubst, mich weiterhin verdrängen zu können, dann werde ich eben zu härteren Mitteln als die, die du bis jetzt kennst, greifen müssen! Du wirst dich noch mehr zurückziehen, als du das  jetzt schon tust, ohne daß es dir bewusst wird! Ich werde dich verändern! Dein Äusseres werde ich unansehnlich machen! Träge und unbeholfen wirst du sein! Du wirst dich meiner schämen, man wird über dich hinter vorgehaltener Hand lachen und dich verspotten!!! "Auch dein Innerstes werde ich noch weiter zerschlagen, wenn du nicht sehr gut aufpasst. Ich will, daß du dich zu mir bekennst, mich nicht verleugnest, sondern beim Namen nennst! Das ist der einzige Weg für dich, meine Entscheidung für dich einigermaßen erträglich zu machen. Und ich verlange von dir, daß du dich an meine Regeln hältst!!! Du hast keine reelle Chance, mir auszuweichen. Schau sie dir doch an, deine Helferlein, diese Studierten! Sie geben sich stark und mächtig! Probieren alles mögliche an dir aus, dabei ist ihnen vollkommen klar, daß es keine Möglichkeit gibt, mich auszuschalten. Sie können mir schon eins auf die Mütze geben, aber dauerhaft schaden können sie mir nicht! Sie bekommen gutes Geld, um dir zu sagen, daß sie dir keine echte Hilfe bieten können! Siehst du, wie sie zögern, sich hinter ihren dicken Büchern verstecken? Ja, du siehst es und du spürst dabei, wie ich mir die Hände reibe, wärend du versuchst, deinen Alltag nach meinen Vorgaben einzurichten. Merkst du überhaupt, daß alles, was ich mache, genau berechnet ist??? Wenn du denkst, die kleinen weißen Dinger, die du schluckst, würden dir dauerhaft helfen, dann irrst du dich gewaltig, Und die weiß gekleideten Leutchen noch viel mehr!!!! Es geht dir nur deshalb so gut im Moment, weil ich euch einfach ein wenig in Ruhe lassen will, ich will euch zusehen, wie ihr euch immer mehr verrennt in euerer Ansicht, den richtigen Weg gefunden zu haben, mich ausser Gefecht zu setzen. Aber irgendwann schlage ich wieder zu! Du weißt, daß ich dich in der Hand habe! Du weißt, was dir blühen kann! Du weißt, daß ich unbarmherzig sein kann, ohne Gnade, ohne Rücksicht auf Verluste! Was bist du denn schon??? Ein kleines NICHTS neben vielen anderen kleinen NICHTS, unter vielen kriegerischen Herrschern, die über euch herfallen wie die Fliegen über den Misthaufen! Ich habe dich unter meine Fittiche genommen, du weißt es, und du kannst nicht wirklich etwas dagegen tun. NICHTS!!! Nur ICH sage, wo es für dich langgeht...!!!"

Und dazu lacht er dann noch höhnisch!

 

Ja, so redet ER mit mir. Kannst du dir vorstellen, wie ich mich da fühle? Was in mir vorgeht? Mensch, ich bin 42 Jahre alt, die Kids sind aus dem Gröbsten raus und da taucht dieser fiese Eindringling auf, wirbelt alles durcheinander, so daß ich oft nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Im Moment ist ER ja ziemlich ruhig, lässt mich weitgehend in Ruhe, wenn ich an die vergangenen Jahre denke, dann bin ich ja für meine jetztige Situation wirklich dankbar. Aber es ist nicht aus dem Kopf zu kriegen, nicht zu verdrängen und - wie gesagt - nicht abzuschütteln. Denn ER lässt sich weder kaufen noch VER-kaufen, nicht für alles Geld  der Welt. Keiner würde IHN sich kaufen wollen, und die, die IHN haben, wollen IHN auch nicht verkaufen, weil es eine Zumutung wäre und unverantwortlich, so etwas wie IHN einem Mitmenschen anzudrehen. Es ist jetzt nun mal so:  ich habe IHNER gehört zu mir, ohne "warum", und ohne "wenn und aber"...

Manchmal, wenn es mir gar nicht gut geht, und ich das Gefühl habe, immer tiefer zu fallen, und mich ganz alleine fühle auf der Welt, wenn niemand da ist, an den ich mich anlehnen kann, ausreden, ausheulen, niemand, der mich in den Arm nimmt und festhält, dann zeigt ER so einen leichten Anflug von "Mitleid" mit mir. Zumindest auf den ersten BLick könnte es so aussehen. Aber mir ist natürlich längst klar, daß ER wieder nur eines SEINER Spielchen mit mir treibt, wenn ER mir zuflüstert:

Hey hey, meine Süße, was ist los mit dir? Warum weinst du??? Was klagst du? Geht es dir nicht gut??? Geht es dir nicht besser als die Jahre zuvor??? Soll ich dir etwa wieder zeigen, wie schlecht es dir gehen kann? Hast du etwa vergessen, wie es sich anfühlt, wenn du deine Arme nicht richtig gebrauchen kannst? Du musstest doch schon so oft die Zähne zusammenbeissen um nicht zu schreien, wenn du einen Pullover ausziehen wolltest! Und wie oft hast du gestöhnt, wenn du ein Saftglas aus dem Küchenschrank geholt hast! Ich kann nicht glauben, daß du das alles vergessen haben solltest! Ich habe es dich doch so oft spüren lassen und bin mir sicher, daß du es niemals mehr aus dem Kopf kriegst. Ich will doch gar nicht unbedingt, daß ich es dir wieder so schlecht machen muss! Halte dich an meine Regeln, dann bin ich ganz brav. Und über dein allein-sein musst du dich auch nicht beklagen! ICH bin doch bei dir! Jede Stunde, jeden Tag und jede Nacht! ICH bin doch dein erster Gedanke, wenn du am Morgen erwachst, und wohl auch dein letzter Gedanke, wenn du dich schlafen legst. Oder zumindest dein Vorletzter! Hab keine Angst, ich lass dich NICHT alleine. Selbst wenn alle Welt sich von dir abwendet, wenn es einmal soweit ist, daß du alleine nicht mehr klarkommst.  ICH bleibe trotzdem bei dir. Immer! So lange du lebst, werde ich an deiner Seite sein und dich nie-niemals verlassen.
SO WAHR ICH DEIN FREUND PARKI BIN!!!

Und dazu kommt wieder dieses fiese Lachen...

 

So also kann es sein, wenn "Sir James Parkinson" sich einem aufdrängt. Nein, es ist nicht nur mein Los. Ich spreche auch für viele andere Parkinson-Betroffene. Morbus Parkinson ist eine Krankheit, die sehr unterschiedliche Ausprägungen zeigen kann. Auch die Schwere und das Tempo des Krankheits-Verlaufs, sowie das "Eintrittsalter" ist von Fall zu Fall verschieden, und weder vorherzusehen noch kalkulierbar.

 Natürlich ist uns allen klar, daß diese Krankheit nur eine Einzige von vielen schlimmen, oft unvorstellbar grausamen Schicksalen ist, die es zu meistern gibt.


Was mir das Leben, oder genauer gesagt,
den Umgang mit meiner Krankheit etwas erleichtert,
ist die Selbsthilfegruppe, die ich im www gefunden habe:

www.parkinson-selbsthilfegruppe.de

 


Hier gibt es Menschen,
die mich immer wieder auffangen können,
die das Gleiche oder ein ähnliches Schicksal zu tragen haben,
hier gibt es Menschen, denen es viel viel schlechter geht, als mir.
Von ihnen kann ich lernen,
mich nicht unterkriegen zu lassen
und nicht zu verzweifeln.

 

Danke, liebe PAoL'ler.


Bestimmt kann ich auch das ein oder andere Mal
für jemanden von Euch Stütze sein,
Tipps geben oder einfach nur da sein,
wenn es jemandem gut tut.


Auch, wenn es viel zu schnell
Herbst geworden ist in meinem Leben -
ich will trotzdem dankbar sein,
denn der Herbst bietet
mit seinen prächtigen bunten Farben
noch so viel schönes,
das ich gerade jetzt,
wo ich von der Krankheit weiß,
 viel bewusster wahrnehmen kann,
als mir das als vollkommen gesunder Mensch
vielleicht geglückt wäre...

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